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Wie führt man einen Usability-Test durch?

Lernen Sie Schritt für Schritt, wie man einen Usability-Test durchführt. Mit Planung, Teilnehmerauswahl, Szenarien und Analyse verbessern Sie Ihr Produkt mit echten Nutzern.

Zwischen der eleganten Optik eines Produkts auf dem Bildschirm und dem, was Menschen tatsächlich erleben, wenn sie es benutzen, klafft oft eine große Lücke. Der zuverlässigste Weg, diese Lücke zu messen und zu schließen, ist ein Usability-Test. Ein Usability-Test ist eine Forschungsmethode, bei der echte Nutzer beim Erledigen bestimmter Aufgaben auf einer Website, in einer mobilen App oder in einem digitalen Produkt beobachtet werden, um aufzudecken, wo sie Schwierigkeiten haben, wo sie hängen bleiben und was sie als intuitiv empfinden. Das Ziel ist es, nicht die Annahmen im Kopf der Designer, sondern das tatsächliche Verhalten der Nutzer in Daten zu verwandeln.

Viele Teams sind überzeugt, dass eine Oberfläche "klar genug" ist, weil sie sie selbst gestaltet und monatelang daran gearbeitet haben. Der Nutzer hingegen sieht das Produkt zum ersten Mal und verfügt über keinerlei Kontext, der Ihnen vertraut ist. Der einzige Weg, diese Betriebsblindheit zu überwinden, besteht darin, das Produkt aus den eigenen Gedanken herauszunehmen und es mit fremden Augen zu testen. Genau deshalb ist der Nutzertest zu einem unverzichtbaren Bestandteil moderner Produktentwicklungsprozesse geworden.

In diesem Leitfaden behandeln wir ausführlich, was ein Usability-Test ist, welche Arten es gibt, wie man ihn Schritt für Schritt plant und durchführt, wie die Ergebnisse analysiert werden und welche Fehler häufig gemacht werden. Egal ob Sie allein in einem kleinen Start-up arbeiten oder Teil eines großen Produktteams sind: Sie können die hier beschriebenen Schritte an Ihre eigenen Bedingungen anpassen und sofort mit der Umsetzung beginnen.

Was ist ein Usability-Test und warum ist er wichtig?

Ein Usability-Test ist eine beobachtungsbasierte Bewertungsmethode, die misst, wie einfach und effizient ein Produkt von der Zielgruppe genutzt werden kann. Während des Tests erhalten die Teilnehmer realistische Aufgaben, und ihr Verhalten beim Erledigen dieser Aufgaben, die Stellen, an denen sie hängen bleiben, sowie ihr mündliches Feedback werden aufgezeichnet. Der entscheidende Punkt dabei ist, den Nutzer nicht zu fragen "Gefällt Ihnen dieses Design?", sondern durch Beobachtung zu verstehen, was er tatsächlich erlebt.

Der Grund, warum diese Methode so wertvoll ist, liegt darin, dass sie an die Stelle von Meinungen und Bauchgefühl konkrete Belege setzt. In einem Produktteam hat jeder eine Meinung; doch diese Meinungen widersprechen sich häufig, und es ist schwer abzuschätzen, welche davon richtig ist. Wenn Sie einen UX-Test durchführen, verlässt die Diskussion das Feld der "Ich finde"-Aussagen und verwandelt sich in messbare Erkenntnisse wie "Die Hälfte der Nutzer hat diesen Button nicht gefunden". Das beschleunigt Designentscheidungen und verringert gleichzeitig interne Meinungsverschiedenheiten.

Konkreter Nutzen für das Unternehmen

Der Ertrag eines Usability-Tests beschränkt sich nicht auf eine schönere Oberfläche. Er bringt viele Vorteile mit sich, die sich unmittelbar auf die Geschäftsergebnisse auswirken:

  • Höhere Konversionsraten: Jeder Schritt, an dem ein Nutzer hängen bleibt, bedeutet einen potenziellen Verlust eines Verkaufs oder einer Registrierung. Diese Hürden zu erkennen und zu beseitigen, wirkt sich direkt auf den Umsatz aus.
  • Geringere Entwicklungskosten: Ein Designproblem vor dem Programmieren zu erkennen, ist weitaus günstiger, als es nach dem Launch zu beheben.
  • Weniger Aufwand im Kundensupport: Oberflächen, die Menschen nicht verstehen, erhöhen Supportanfragen und Beschwerden. Ein klares Design verringert diese Last.
  • Stärkeres Markenvertrauen: Ein reibungslos funktionierendes, verständliches Produkt vermittelt dem Nutzer Professionalität und steigert die Bindung.
  • Schnellere Entscheidungsprozesse: Datengestützte Diskussionen treten an die Stelle endloser Meetings.

Arten von Usability-Tests

Es gibt nicht die eine Usability-Test-Methode; je nach Ziel, Budget und verfügbarer Zeit können Sie unterschiedliche Ansätze wählen. Diese Arten zu kennen, hilft Ihnen zu verstehen, welche Methode in welcher Situation am effizientesten ist.

Moderierte und unmoderierte Tests

Bei moderierten Tests ist während der gesamten Sitzung ein Forscher gemeinsam mit dem Teilnehmer anwesend. Er erläutert die Aufgaben, stellt bei Bedarf Nachfragen und kann das Verhalten des Nutzers in Echtzeit eingehend untersuchen. Diese Methode ist bei komplexen Produkten und in Situationen, in denen Sie die Antwort auf das "Warum" suchen, äußerst wertvoll.

Bei unmoderierten Tests erledigt der Teilnehmer die Aufgaben hingegen allein, in seiner eigenen Umgebung. In der Regel werden über eine Software Bildschirm- und Tonaufnahmen erstellt. Dieser Ansatz ist schneller und kostengünstiger und ermöglicht es Ihnen, in kurzer Zeit mehr Teilnehmer zu erreichen; allerdings können Sie den Grund für einen Stolperstein nicht in Echtzeit hinterfragen.

Qualitative und quantitative Tests

Ein qualitativer Nutzertest zielt darauf ab, mit wenigen Teilnehmern tiefgehende Erkenntnisse zu gewinnen. Hier geht es nicht um Statistik, sondern darum, die Natur der Probleme zu verstehen. Die Antwort auf die Frage "Warum überspringen Nutzer diesen Schritt?" liefern qualitative Tests.

Quantitative Tests arbeiten dagegen mit mehr Teilnehmern und erzeugen zählbare Kennzahlen wie die Aufgabenerfolgsrate, die Bearbeitungsdauer oder die Anzahl der Fehler. Diese Tests sind ideal, um zu messen, ob eine Änderung tatsächlich eine Verbesserung bringt, oder um zwei Designalternativen miteinander zu vergleichen.

Labor-, Remote- und Feldtests

Klassische Labortests werden in einer kontrollierten Umgebung durchgeführt und minimieren äußere Einflüsse. Remote-Tests ermöglichen es, über das Internet Nutzer in anderen Städten oder sogar Ländern zu erreichen, und sind in den letzten Jahren zur am weitesten verbreiteten Methode geworden. Feldtests (kontextbezogene Tests) hingegen werden in der Umgebung durchgeführt, in der der Nutzer das Produkt tatsächlich verwenden wird, etwa am Arbeitsplatz oder zu Hause, und sind besonders wertvoll, um den realen Nutzungskontext zu erfassen.

Art Vorteil Nachteil Am besten geeignet bei
Moderiert Tiefe Einblicke, Nachfragen in Echtzeit Langsamer und kostspieliger Komplexe, neue Abläufe
Unmoderiert Schnell, skalierbar, günstig Ursache nicht hinterfragbar Einfache Aufgaben, große Stichproben
Qualitativ Ursache des Problems verstehen Schwache statistische Verallgemeinerung Frühe Explorationsphase
Quantitativ Messbarer Vergleich Fehlender Kontext A/B-Entscheidungen, Validierung

Vorbereitung vor dem Start eines Usability-Tests

Ein guter Usability-Test wird durch eine sorgfältige Planung möglich, die lange vor der eigentlichen Sitzung beginnt. Die Vorbereitungsphase zu überspringen ist der häufigste Grund dafür, dass Sie am Ende des Tests unbrauchbare Daten in der Hand halten.

Definieren Sie klare Ziele und Forschungsfragen

Vor allem müssen Sie sich darüber im Klaren sein, was Sie aus diesem Test lernen wollen. Ein vages Ziel wie "Lass uns unsere Website testen" funktioniert nicht. Formulieren Sie stattdessen spezifische Forschungsfragen wie "Können neue Nutzer das Registrierungsformular ohne Hilfe ausfüllen?" oder "Warum brechen Nutzer beim Bezahlschritt ab?". Diese Fragen bestimmen unmittelbar, welche Aufgaben Sie gestalten und welche Kennzahlen Sie messen werden.

Definieren Sie das richtige Nutzerprofil

Der Wert des gesammelten Feedbacks hängt davon ab, dass Sie mit den richtigen Personen arbeiten. Die Meinung von jemandem, der Ihr Produkt nie nutzen würde, kann irreführend sein. Legen Sie die Teilnehmerkriterien, die Ihre Zielgruppe repräsentieren, im Voraus fest: Merkmale wie Altersspanne, technisches Kompetenzniveau, Branchenerfahrung oder vorherige Berührungspunkte mit dem Produkt sind hilfreich. Sie sollten diese Kriterien mit einem Screening-Fragebogen filtern, um Personen mit dem falschen Profil auszusortieren.

Mit wie vielen Nutzern sollten Sie testen?

Dies ist eine der am häufigsten gestellten Fragen, und die Antwort überrascht die meisten. Bei qualitativen Tests reicht in der Regel eine kleine Anzahl von Teilnehmern aus. Nach dem weithin anerkannten Ansatz deckt ein Test mit fünf Nutzern den Großteil der Usability-Probleme auf. Denn die ersten paar Nutzer zeigen immer wieder ähnliche Probleme, und je mehr Teilnehmer Sie hinzunehmen, desto weniger Neues lernen Sie hinzu.

Deshalb ist es weitaus effizienter, statt eines einzigen großen Tests mit vielen Nutzern mehrere Testrunden mit wenigen Nutzern durchzuführen und nach jeder Runde Korrekturen vorzunehmen. Wenn Sie quantitative und statistische Vergleiche anstellen möchten, benötigen Sie hingegen größere Stichproben.

Vorbereitung von Testszenarien und Aufgaben

Aufgaben sind das Herzstück eines Usability-Tests. Eine schlecht formulierte Aufgabe lenkt den Teilnehmer ungewollt und macht die gewonnenen Daten ungültig. Eine gute Aufgabe hingegen bringt das natürliche Verhalten des Nutzers zum Vorschein.

Schreiben Sie realistische und zielorientierte Aufgaben

Bauen Sie Aufgaben stets rund um ein Ziel und einen Kontext auf, beschreiben Sie nicht die einzelnen Schritte in der Oberfläche. Sagen Sie zum Beispiel statt "Klicken Sie oben rechts auf das Warenkorb-Symbol und drücken Sie auf den Bezahlen-Button" lieber "Sie möchten zwei Artikel kaufen, schließen Sie den Vorgang ab". Die erste Formulierung zeigt dem Nutzer den Weg; die zweite testet, ob er seinen eigenen Weg findet. Achten Sie auch darauf, dass die in der Aufgabe verwendeten Wörter nicht exakt mit den Beschriftungen in der Oberfläche übereinstimmen, da der Nutzer sonst nur einen Abgleich vornimmt.

Priorisieren und ordnen Sie die Aufgaben

In einer Sitzung ist die Aufmerksamkeit des Nutzers begrenzt, stellen Sie deshalb die wichtigsten Abläufe nach vorne. Die Aufgaben vom Einfachen zum Komplexen zu ordnen, hilft dem Nutzer, sich mit dem Produkt vertraut zu machen. Streben Sie jedoch immer an, dass die kritischen Aufgaben in der ersten Hälfte der Sitzung erledigt werden, solange der Nutzer noch nicht ermüdet ist. Eine angemessene Sitzungsdauer sollte in der Regel 45 bis 60 Minuten nicht überschreiten.

Führen Sie einen Pilottest durch

Probieren Sie die von Ihnen vorbereiteten Aufgaben unbedingt mit einer Person aus, bevor der erste echte Teilnehmer kommt. Diese Pilotsitzung deckt unverständliche Formulierungen, technische Pannen und eine überzogene Dauer auf. Erst die im Pilottest erkannten Probleme zu beheben und dann zu den eigentlichen Sitzungen überzugehen, garantiert, dass Sie von Anfang an qualitativ hochwertige Daten sammeln.

Wie führt man einen Usability-Test durch? Der Prozess Schritt für Schritt

Wenn die Vorbereitung abgeschlossen ist, kommt die eigentliche Durchführung des Tests an die Reihe. Indem Sie die folgenden Schritte befolgen, können Sie eine konsistente und zuverlässige Sitzung gestalten.

  1. Bereiten Sie Umgebung und Werkzeuge vor. Stellen Sie sicher, dass Bildschirmaufnahme, Tonaufnahme und bei Bedarf die Kameraaufstellung funktionieren. Wenn Sie einen unmoderierten Usability-Test durchführen, prüfen Sie, ob die Aufnahmesoftware die Aufgaben in der richtigen Reihenfolge anzeigt.
  2. Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre beim Teilnehmer. Stellen Sie zu Beginn der Sitzung klar, dass nicht der Nutzer, sondern das Produkt getestet wird. Wenn Menschen Angst haben, etwas "falsch" zu machen, verhalten sie sich nicht natürlich. Sagen Sie ihnen, dass gerade ihre Fehler Ihnen die wertvollsten Informationen liefern.
  3. Erklären Sie die Methode des lauten Denkens. Bitten Sie den Teilnehmer, beim Erledigen der Aufgaben laut auszusprechen, was ihm durch den Kopf geht. Wenn er Gedanken wie "Wonach suche ich gerade?" oder "Was erwarte ich, wenn ich auf diesen Button klicke?" teilt, hilft Ihnen das, die Gründe hinter dem Verhalten zu verstehen.
  4. Stellen Sie die Aufgaben einzeln vor. Geben Sie nicht alle Aufgaben auf einmal. Gehen Sie nach Abschluss jeder Aufgabe zur nächsten über und stellen Sie zwischendurch kurze Nachfragen.
  5. Beobachten Sie, ohne zu lenken. Wenn der Nutzer hängen bleibt, widerstehen Sie dem Drang, sofort zu helfen. Still zu bleiben ist unerlässlich, damit die echten Probleme zutage treten. Greifen Sie nur dann behutsam ein, wenn der Nutzer völlig feststeckt und nicht mehr weiterkommt.
  6. Bleiben Sie neutral. Vermeiden Sie bestätigende Reaktionen wie "Großartig" oder "Ja, genau". Diese drängen den Nutzer in eine bestimmte Richtung und verfälschen die Ergebnisse. Halten Sie Ihre Fragen offen und unvoreingenommen.
  7. Zeichnen Sie alles auf. Neben Ihren Notizen sind Bildschirm- und Tonaufnahmen für die spätere Analyse von entscheidender Bedeutung. Was Ihnen im Gedächtnis bleibt, verschwimmt schon wenige Stunden nach der Sitzung.

Worauf der Moderator achten sollte

Ein guter Moderator steht nicht auf der Bühne, sondern bleibt im Hintergrund. Er hört mehr zu, als dass er spricht, und stellt Fragen, statt zu erklären. Vermeiden Sie es, die Sätze des Nutzers zu vervollständigen oder mit "Sie meinen also Folgendes" eigene Deutungen einzubringen. Zu lernen, Stille auszuhalten, ist eine der schwierigsten, aber wertvollsten Fähigkeiten in diesem Bereich. Denken Sie daran: Ihre eigene Meinung ist das, was in diesem Raum am wenigsten zählt.

Analyse der Daten und Berichterstattung der Ergebnisse

Wenn der Test vorbei ist, haben sich bei Ihnen Rohbeobachtungen angesammelt. Diese Beobachtungen in umsetzbare Erkenntnisse zu verwandeln, ist die Phase, in der ein Usability-Test seinen eigentlichen Wert erzeugt.

Sammeln und gruppieren Sie die Erkenntnisse

Fügen Sie die Notizen und Beobachtungen, die Sie aus jeder Sitzung gewonnen haben, zusammen. Wenn Sie feststellen, dass mehrere Nutzer dasselbe Problem erlebt haben, fassen Sie diese Erkenntnisse unter einer einzigen Überschrift zusammen. Diese Gruppierung hilft Ihnen, in der Flut der verstreuten Beobachtungen Muster zu erkennen. Festzuhalten, welches Problem bei wie vielen Nutzern auftrat, hilft Ihnen später bei der Priorisierung.

Priorisieren Sie die Probleme nach ihrem Schweregrad

Nicht jedes gefundene Problem hat das gleiche Gewicht. Es ist in der Regel hilfreich, Probleme nach drei Dimensionen zu bewerten:

  • Auswirkung: Verhindert das Problem vollständig, dass der Nutzer die Aufgabe abschließt, oder verursacht es nur Unannehmlichkeiten?
  • Häufigkeit: Bei wie vielen Nutzern trat dieses Problem auf? Weit verbreitete Probleme sollten vorrangig angegangen werden.
  • Beständigkeit: Kann der Nutzer das Problem überwinden, nachdem er es einmal gelernt hat, oder stößt er jedes Mal auf dieselbe Hürde?

Indem Sie diese drei Dimensionen kombinieren, können Sie Probleme als kritisch, schwerwiegend und geringfügig einstufen und klarstellen, worauf sich das Entwicklungsteam zuerst konzentrieren sollte.

Erstellen Sie einen wirkungsvollen Bericht

Ihr Bericht sollte eher ein Werkzeug sein, das zum Handeln anleitet, als seitenlanger Text. Untermauern Sie jede Erkenntnis mit einem konkreten Beleg, etwa einem Ausschnitt aus einer Bildschirmaufnahme oder den direkten Worten des Nutzers. Nachdem Sie das Problem beschrieben haben, legen Sie unbedingt einen Verbesserungsvorschlag vor. Einen kurzen Zusammenfassungsteil für die Entscheidungsträger und Anhänge für diejenigen vorzubereiten, die ins Detail gehen möchten, erleichtert es, dass der Bericht von unterschiedlichen Zielgruppen genutzt wird.

Häufige Fehler bei Usability-Tests

Selbst erfahrene Teams können in einige Fallen tappen. Sich dieser Fehler bewusst zu sein, verhindert, dass Ihre Investition in einen UX-Test ins Leere läuft.

  • Den Nutzer lenken: In den Aufgabenformulierungen oder während der Sitzung Hinweise zu geben, ist der verheerendste Fehler. Ein gelenkter Nutzer kann sein echtes Verhalten nicht zeigen.
  • Die falschen Teilnehmer auswählen: Mit Personen zu testen, die nicht die Zielgruppe repräsentieren, erzeugt Feedback, das nichts mit dem Produkt zu tun hat.
  • Nach Meinungen fragen, statt Verhalten zu beobachten: Die Antwort auf die Frage "Gefällt es Ihnen?" ist meist höflich und irreführend. Was Menschen sagen, und was sie tun, unterscheidet sich oft; beobachten Sie das Verhalten.
  • Zu spät testen: Erst zu testen, wenn das Produkt vollständig fertig ist, macht die Behebung von Problemen teuer und schwierig. Testen Sie früh und häufig.
  • Erkenntnisse in der Schublade verschwinden lassen: Selbst der beste Bericht hat keinerlei Wert, wenn er nicht in Handeln umgesetzt wird. Ein Test sollte keine Formalität sein, sondern ein Entscheidungsmechanismus.
  • Sich mit einer einzigen Runde zufriedengeben: Usability ist keine einmalige Kontrolle, sondern ein fortlaufend wiederholter Prozess. Nach jeder größeren Änderung muss erneut getestet werden.

Den Usability-Test mit anderen Methoden ergänzen

Ein Usability-Test ist ein mächtiges Werkzeug, kann aber allein nicht jede Frage beantworten. Die besten Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie ihn gemeinsam mit anderen Forschungsmethoden einsetzen. Analytische Daten zeigen zum Beispiel zahlenmäßig, wo Nutzer abspringen, sagen aber nicht warum; der Nutzertest füllt genau diese "Warum"-Lücke.

Ebenso zeigen A/B-Tests statistisch auf, welches von zwei Designs besser abschneidet; um jedoch zu verstehen, warum das Gewinnerdesign gewinnt, benötigen Sie Usability-Beobachtungen. Umfragen und Interviews wiederum ermöglichen es Ihnen, die Einstellungen und Erwartungen der Nutzer zu erfahren. Wenn Sie diese Methoden schichtweise kombinieren, erhalten Sie zu Ihrem Produkt vollständige Antworten sowohl auf das Was als auch auf das Warum.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Usability-Test und einem A/B-Test?

Ein Usability-Test ist eine qualitative Methode, die sich darauf konzentriert, durch die Beobachtung weniger Nutzer zu verstehen, warum ein Design funktioniert oder nicht. Ein A/B-Test hingegen teilt eine große Nutzergruppe auf zwei verschiedene Designversionen auf und misst statistisch, welche besser abschneidet. Der erste beantwortet die Frage "Warum", der zweite die Frage "Welches ist besser". Ideal ist es, diese beiden Methoden so einzusetzen, dass sie einander ergänzen.

Wie viele Teilnehmer reichen für einen Usability-Test aus?

Für einen qualitativen Usability-Test reichen in der Regel fünf Teilnehmer aus, um den Großteil der Probleme aufzudecken. Da die ersten paar Nutzer ähnliche Probleme wiederholen, nimmt der Ertrag, mehr Teilnehmer hinzuzunehmen, schnell ab. Effizienter ist es, stattdessen mehrere Testrunden mit wenigen Nutzern durchzuführen und zwischendurch Verbesserungen vorzunehmen. Wenn Sie einen statistischen Vergleich oder eine quantitative Messung wünschen, benötigen Sie eine größere Stichprobe.

Kann ich einen Nutzertest durchführen, bevor das Design fertig ist?

Das können Sie auf jeden Fall, ja, Sie sollten es sogar. Selbst mit Skizzen auf Papier oder klickbaren Prototypen lässt sich ein wertvoller Nutzertest durchführen. Tests in einer frühen Phase ermöglichen es Ihnen, große Probleme aufzudecken, bevor überhaupt Code geschrieben wird, was die Kosten für Korrekturen erheblich senkt. Mit dem Test zu warten, bis das Produkt perfekt ist, ist einer der teuersten Fehler.

Ist es sehr teuer, einen Usability-Test durchzuführen?

Das muss nicht teuer sein. Unmoderierte Remote-Test-Tools ermöglichen es Ihnen, mit vergleichsweise geringem Budget viele Nutzer zu erreichen. Selbst ein schneller, informeller Test, bei dem Sie auf dem Flur ein paar Kollegen einfache Aufgaben stellen, ist um ein Vielfaches wertvoller, als gar nicht zu testen. Entscheidend ist nicht die Höhe des Budgets, sondern dass der Prozess regelmäßig durchgeführt wird.

Ist die Methode des lauten Denkens wirklich notwendig?

Die Methode des lauten Denkens ist äußerst wertvoll, da sie den Denkprozess hinter dem Verhalten des Nutzers offenlegt. Zu beobachten, dass ein Nutzer einen Button nicht findet, ist eine Information; wenn er aber sagt "Ich hätte ihn hier erwartet", zeigt er Ihnen direkt den Weg zur Lösung. Allerdings ist diese Technik für manche Nutzer nicht natürlich, weshalb es nötig ist, zu Beginn der Sitzung zu erklären, wie sie anzuwenden ist, und bei Bedarf behutsam daran zu erinnern.

Wie setze ich die Testergebnisse in Handeln um?

Priorisieren Sie Ihre Erkenntnisse nach ihrem Schweregrad und fügen Sie jeder einen konkreten Verbesserungsvorschlag hinzu. Bringen Sie diese Vorschläge anschließend als klare Aufgaben in die Aufgabenliste des Entwicklungsteams ein. Das Wichtigste ist, die nächste Testrunde zu planen, um zu überprüfen, ob die vorgenommenen Änderungen tatsächlich Wirkung zeigen. Wenn die Ergebnisse nicht weiterverfolgt und umgesetzt werden, geht der gesamte Wert des Tests verloren.

Fazit

Ein Usability-Test ist eine der mächtigsten Methoden, um die Unsicherheit der Produktentwicklung in messbare Entscheidungen zu verwandeln. Er macht den Unterschied zwischen den Annahmen der Designer und dem tatsächlichen Verhalten der Nutzer sichtbar und bringt dadurch sowohl bessere Produkte als auch zufriedenere Nutzer hervor. Klare Ziele zu setzen, mit den richtigen Teilnehmern zu arbeiten, gut formulierte Aufgaben vorzubereiten, die Sitzungen unvoreingenommen durchzuführen und die Erkenntnisse in Handeln umzusetzen sind die ineinandergreifenden Glieder dieses Prozesses.

Denken Sie daran, dass Usability keine einmalige Kontrolle ist, sondern eine fortlaufend wiederholte Gewohnheit. Sie können selbst mit kleinem Budget und wenigen Nutzern beginnen und Ihr Produkt in jeder Runde ein Stück weit verbessern. Entscheidend ist, anzufangen. Schon ein einfaches Szenario, das Sie heute vorbereiten, und ein erster Test mit ein paar Nutzern werden Wahrheiten über Ihr Produkt aufdecken, die Ihnen zuvor nie aufgefallen sind, und Sie an Ihren Wettbewerbern vorbeibringen. Wenn Sie Ihren Nutzern zuhören, zeigen sie Ihnen immer, in welche Richtung Sie gehen sollten.

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