Stellen Sie sich vor, Sie lassen ein Haus bauen. Der Bauleiter zeigt Ihnen nicht am ersten Tag eine gestrichene, möblierte Wohnung. Zuerst bekommen Sie eine Zeichnung, auf der die Räume eingetragen sind. Dass die Küche zum Wohnzimmer hin liegen soll, sagen Sie an dieser Stelle mit einem Satz. Sagen Sie es, wenn die Wände stehen, wird es teuer und für alle unangenehm.
Bei Websites läuft es genauso. Der Designer schickt ein Bild, Sie sagen „gefällt mir“, und zwei Wochen später, wenn die Seite online ist, fragen Sie, warum der Terminbutton so klein ist. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, welche Phasen Sie beim Erstellen Ihrer Website sehen, worauf Sie in jeder Phase achten sollten und wie Sie Feedback geben, das wirklich weiterhilft. Sie müssen selbst nichts vorbereiten. Es geht darum, dass Sie das Gezeigte richtig lesen können, denn bevor Sie einen Website-Entwurf freigeben, sollten Sie verstehen, was Sie da sehen.
Was zeigt der Designer Ihnen, und in welcher Reihenfolge?
In einem gut geführten Projekt sehen Sie in der Regel drei Dinge. Jedes wirkt „echter“ als das vorherige, und jedes ist teurer zu ändern.
- Ein Aufbauentwurf: schlichte graue Kästen, die zeigen, was auf welcher Seite wo stehen wird.
- Ein farbiges Designbild: ein Bild der fertigen Seite mit Farben, Schriften und Fotos.
- Eine anklickbare Testversion: eine grobe Vorschau, in der Sie auf Buttons klicken und zwischen Seiten wechseln können, obwohl dahinter noch nichts wirklich funktioniert.
Die Reihenfolge hat einen Grund. Zuerst fallen die großen Entscheidungen (welche Seiten, was soll ein Besucher tun), dann die Entscheidungen zum Aussehen (Farbe, Fotos) und zuletzt die zur Bedienung (was passiert beim Klick). Wer eine Phase überspringt, verschiebt Entscheidungen nur nach hinten.
Phase 1: Der Aufbauentwurf aus schlichten Kästen
Hier sehen Sie etwas ohne Farben, mit Kästen, auf denen „Überschrift“ oder „Hier kommt Text hin“ steht. In der Designwelt heißt das Wireframe, also das Skelett der Seite. Ihr erster Gedanke könnte sein: „Das wirkt langweilig.“ Genau so soll es sein. Es geht nicht ums Gutaussehen, sondern darum, die Anordnung zu prüfen.
Worauf Sie achten sollten:
- Versteht ein Fremder auf der Startseite innerhalb von fünf Sekunden, was Sie anbieten?
- Ist die eine Handlung, die Sie am meisten wollen (Anruf, Termin, Angebotsanfrage), sofort sichtbar?
- Sind die Menüpunkte in der Sprache Ihrer Kunden formuliert und nicht in Ihrer Fachsprache?
- Lassen sich Leistungen, häufige Fragen, Adresse und Telefonnummer leicht finden?
- Fehlt eine Seite? Eine Zahnärztin möchte vielleicht eine eigene Seite für Implantate.
Günstig zu sagen in dieser Phase: Seiten hinzufügen oder streichen, Abschnitte umsortieren, das Menü vereinfachen. Es ist noch nichts gestaltet, die Kästen werden einfach verschoben.
Phase 2: Das farbige Designbild
Jetzt werden aus den Kästen echte Fotos, Farben und Texte. Meist wird es für Desktop und Smartphone gezeigt. Sehen Sie es als Foto der fertigen Seite. Anklicken können Sie es noch nicht.
Worauf Sie achten sollten:
- Passen Farben und Schriften zu Ihrem Unternehmen? Eine Kanzlei und ein Kinderspielplatz sollten nicht gleich wirken.
- Ist der Text gut lesbar? Hellgraue Schrift sieht elegant aus, ist aber auf dem Handy in der Sonne kaum zu lesen.
- Zeigen die Fotos Sie und Ihr Team oder sind es Standardbilder, die jeder benutzt?
- Gibt es wirklich eine Smartphone-Ansicht? Die meisten Besucher kommen mit dem Handy.
- Stimmen Logo, Adresse und Telefonnummer? Tippfehler fallen in dieser Phase am leichtesten auf.
Günstig zu sagen: Farben, Schriften, Fotoauswahl und Formulierungen. Teuer zu sagen: „Eigentlich soll die Startseite komplett anders aussehen.“ Das schickt den Designer zurück zu Phase 1, und ein großer Teil der Arbeit wird neu gemacht.
Phase 3: Die anklickbare Testversion
Bei größeren Projekten, vor allem bei Seiten mit Terminbuchung oder Reservierung, schickt der Designer manchmal einen Link. Sie öffnen ihn, klicken auf das Menü, und die Seiten wechseln. Dahinter steht keine echte Website, aber Sie bekommen ein Gefühl für das Verhalten.
Worauf Sie achten sollten:
- Wie viele Klicks brauchen Sie bis zum Termin- oder Kontaktformular? Ein oder zwei sind ideal.
- Geben Sie das Handy jemandem, der die Seite nie gesehen hat, und fragen Sie: „Wie würdest du uns kontaktieren?“ Wo er zögert, liegt das Problem.
- Ist klar, was nach dem Absenden des Formulars passiert? Gibt es eine Nachricht wie „Danke, wir rufen Sie an“?
- Lassen sich die Buttons bequem mit dem Daumen drücken?
Günstig zu sagen: Position von Buttons, Formularfelder, der Ablauf zwischen den Seiten. Nach dieser Phase sind Änderungen wirklich teuer, weil die Programmierung begonnen hat.
Wie gibt man gutes Feedback?
Der Satz, mit dem Designer am meisten kämpfen, lautet: „Gefällt mir nicht, machen Sie etwas anderes.“ Je klarer Ihr Feedback, desto schneller kommt das Projekt voran.
- Sprechen Sie über Ziele, nicht über Geschmack. „Unsere Patienten sind überwiegend älter, die Schrift sollte größer sein“ hilft mehr als „Das Blau gefällt mir nicht“.
- Geben Sie es gebündelt und einmalig. Sprechen Sie mit allen Beteiligten und schicken Sie eine Liste statt jeden Abend eine Nachricht. Klären Sie, wer das letzte Wort hat.
- Beschreiben Sie das Problem, nicht die Lösung. Sagen Sie „Der Terminbutton fällt nicht auf“ statt „Mach ihn rot“. Die Lösung zu finden ist Sache des Experten.
- Zeigen Sie es. Ein markierter Screenshot ist besser als eine lange E-Mail.
- Öffnen Sie keine frühere Phase erneut. Wenn Sie den Aufbau freigegeben haben, kostet eine Änderung in der Farbphase nur Zeit.
Fragen, die Sie dem Designer zu Beginn stellen können:
- Wie viele Phasen sehe ich, und was gebe ich in jeder frei?
- Wie viele Korrekturrunden sind pro Phase enthalten?
- Bis wann brauchen Sie meine Freigabe, und was passiert mit dem Liefertermin, wenn ich später antworte?
- Sehe ich die Smartphone-Ansicht in derselben Phase?
Die Dauer hängt vom Projekt ab, aber eine Verzögerung auf Ihrer Seite schiebt meist auch die Lieferung nach hinten. Schnelle Rückmeldungen sind Ihr größter Beitrag.
Häufige Fragen
Kann ich den Aufbauentwurf überspringen und gleich das farbige Design sehen?
Bei kleinen einseitigen Websites fassen manche Designer die ersten beiden Phasen zusammen, was in Ordnung sein kann. Je mehr Seiten es werden, desto stärker verringert die Ansicht ohne Farben das Fehlerrisiko.
Kann ich nach der Freigabe noch Änderungen verlangen?
Kleine Text- oder Bildkorrekturen sind meist möglich. Änderungen an der Struktur gelten als neue Arbeit und verlängern die Laufzeit. Fragen Sie, wie viele Korrekturrunden im Vertrag enthalten sind.
Brauche ich bei jedem Projekt eine anklickbare Testversion?
Nein. Bei einer normalen Firmenseite reicht das farbige Designbild oft aus. Bei Terminbuchung, Reservierung oder mehrstufigen Formularen verhindert die Testversion ernste Fehler.
Was, wenn ich selbst keine Vorstellung habe?
Zeigen Sie dem Designer drei, vier Seiten, die Ihnen gefallen oder nicht gefallen, mit einem Satz zur Begründung. Das nützt oft mehr als ein langes schriftliches Briefing.
Wie geht es weiter?
Das richtige Feedback zur richtigen Zeit schützt Ihr Budget und Ihre Zeit. Wenn Sie einen Ablauf wünschen, bei dem Sie vorher wissen, was Sie sehen und was Sie freigeben, schauen Sie sich auf der Seite Website erstellen an, wie ich arbeite.